Die Sagrada Familia ist das Wahrzeichen von Barcelona und wohl die schönste und berühmteste Baustelle der Welt. Und obwohl es sich immer noch um eine Baustelle handelt, zählt sie schon heute zu den ungewöhnlichsten Bauwerken weltweit und zieht Millionen von Touristen jährlich an.

Infos & Tickets: Alles, was ihr wissen müsst!

Diese modernistische, monumentale Kirche ist das meistbesuchte Gebäude in ganz Spanien. Es ist daher ratsam, die Tickets vorab online zu kaufen, um einen Schnelleinlass zu garantieren oder überhaupt an Eintrittstickets heranzukommen. 

1.  Kurzum: Was ist die Sagrada Familia und warum ist es ein Muss, diese Kirche zu besuchen?

  • Die Sagrada Familia ist das berühmteste Werk des modernistischen Architekten Antoni Gaudí. Und wer an Barcelona denkt, denkt an Gaudí.
  • Auf Katalanisch heißt die Kirche ‘Temple Expiatori de la Sagrada Família’, was sich wörtlich mit „Sühnetempel der Heiligen Familie“ übersetzen lässt.
  • Die Sagrada Familia ist für Barcelona wie der Eiffelturm für Paris: das Symbol der Stadt und das Symbol der katalanischen Moderne. Wenn es ein Muss auf eurer Barcelona-Liste gibt, dann ist es die Sagrada Familia!
  • Sowohl von außen als auch von innen unterscheidet sich die Basilika grundlegend mit ihren einzigartigen Formen und Strukturen von anderen Kirchen auf der Welt. Nicht umsonst sagen Kinder oft sehr überrascht: “Ist das eine Kirche? So sieht eine Kirche doch nicht aus? “
  • Mit über vier Millionen Besuchern pro Jahr ist Gaudís Tempel das meistbesuchte Denkmal in ganz Spanien.
  • An der Sagrada Familia wird bereits seit 1882 gebaut.
  • Das Datum der Fertigstellung ist noch nicht festgelegt.

Weitere Informationen zu Antoni Gaudí und zu der Geschichte und Architektur der Sagrada Familia findet ihr weiter unten (Abschnitt 5).

2.  Vor eurem Besuch

2.1 Nützliche Informationen

Lage

Die Sagrada Familia liegt etwas nördlich von der Altstadt, im Stadtteil Eixample. Das gesamte Stadtteil Eixample ist schachbrettartig angelegt und das Bauwerk grenzt im Süden an die Carrer de Mallorca (der zukünftige Haupteingang), im Osten an die Straße Carrer de Marina, westlich an die Carrer de Sardenya und im Norden an die Carrer de Provenca.

Die offizielle Adresse: Carrer de Mallorca, 401, 08013 Barcelona

Der Eingang für diejenigen, die bereits über eine Eintrittskarte verfügen, und für diejenigen, die eine Messe in der Sagrada Familia besuchen möchten, befindet sich in der Carrer de la Marina. Für Gruppen und Personen, die eine Tour gebucht haben, gibt es einen speziellen Eingang, der sich ebenfalls in der Carrer Marina befindet. Beide Eingänge sind gut markiert.  Die Ticketschalter befinden sich in der Carrer de Sardenya.

Öffnungszeiten

·     November bis Februar von 9 bis 18h (Sonntags 10:30 – 18:00)

·     März und Oktober von 9 bis 19h (Sonntags 10:30 – 18:00)

·     April bis September von 9 bis 20h (Sonntags 10:30 – 20:00)

·     Am 25. &  26. Dezember und am 1. &  6. Januar von 9 bis 14 h

Aktuelle Öffnungszeiten Änderungen könnt ihr auf der offiziellen Website der Sagrada Familia finden. Die Öffnungszeiten können zum Beispiel durch besondere Ereignisse in der Basilika geändert werden. 

Bitte beachtet, dass die Sagrada Familia mit festen Besuchszeiten arbeitet. Das bedeutet, dass ihr bei der Buchung euerer Tickets entscheiden müsst, an welchem Tag und zu welchen Uhrzeiten ihr die Kirche besuchen möchtet. Es ist wichtig, dass ihr pünktlich am Eingang seid. Eure Tickets könnt ihr entweder ausgedruckt vorlegen oder auf eurem Smartphone.

Rollstuhlfahrer

Die Sagrada Familia ist bis auf die Türme rollstuhlgerecht. Die Türme können leider mit einem Rollstuhl nicht besichtigt werden.

Rollstuhlfahrer und Menschen mit einer Behinderung von mehr als 65% dürfen die Sagrada Familia gegen Vorlage medizinischer Unterlagen kostenlos besuchen. Der Eintritt ist kostenlos sowohl für die Person mit Behinderung als auch für eine Begleitperson. Ebenfalls ein großer Vorteil ist, dass behinderte Menschen nicht in der Schlange stehen müssen.

Die Sagrada Familia ist auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln für Rollstuhlfahrer leicht zu erreichen. Alle Busse und U-Bahnen verfügen über Zugangsschilder und spezielle Plätze für Rollstuhlfahrer. Weiter unten (Abschnitt 2.3) erfahrt ihr, wie ihr die Sagrada Familia mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen könnt.

Kinder

Kinder unter 11 Jahren haben freien Eintritt in die Sagrada Familia. Aus Sicherheitsgründen haben Kinder unter 6 Jahren keinen Zutritt zu den Türmen und Kinder unter 16 Jahren dürfen die Türme nur unter Aufsicht eines Erwachsenen betreten.

!  Wichtig zu beachten: Obwohl der Eintritt für Rollstuhlfahrer/Menschen mit Behinderung und für Kinder unter 11 Jahre frei ist, müsst ihr die kostenlosen Tickets ebenfalls im Voraus reservieren!

2.2 Tickets und Führungen

Besucht die Nummer eins Sehenswürdigkeit von Barcelona ohne Warteschlangen und mit einem Schnelleinlass. Tickets für die Sagrada Familia jetzt hier online buchen

Besichtigung mit Audioguide

Preis: Erwachsene über 30 Jahre 26 EUR, Erwachsene unter 30 Jahre 24 EUR, Studenten 24 EUR, Senioren 21 EUR, Kinder unter 11 Jahre kostenlos, Behinderten und ihre Begleitpersonen kostenlos.

Besuch mit Turmbesichtigung

Preis: Erwachsene über 30 Jahre 36 EUR, Erwachsene unter 30 Jahre 34 EUR, Studenten 34 EUR, Senioren 28 EUR, Kinder unter 11 Jahre kostenlos, Behinderten kostenlos und Begleitpersonen von Behinderten 10 EUR

Innenbesichtigung mit einer geführten Tour

Preis: Erwachsene über 30 Jahre 30 EUR, Erwachsene unter 30 Jahre 28 EUR, Studenten 28 EUR, Senioren 23 EUR, Kinder unter 11 Jahre kostenlos, Behinderten kostenlos und Begleitpersonen von Behinderten 4 EUR

Besuch mit Turmbesichtigung und einer geführten Tour

Preis: Erwachsene über 30 Jahre 40 EUR, Erwachsene unter 30 Jahre 38 EUR, Studenten 38 EUR, Senioren 32 EUR, Kinder unter 11 Jahre kostenlos, Behinderten kostenlos und Begleitpersonen von Behinderten 14 EUR

Für Gruppen von 10 und mehr Personen müssen die Tickets hier bestellt werden.

Möchtet ihr die Sagrada Familia erkunden, ohne das Innere zu besichtigen? Wir haben exklusive Führungen im Außenbereich im Angebot, bei denen ihr in die Geschichte dieses beeindruckenden Bauwerks eintauchen und faszinierende Fakten über die Sagrada Familia erfahren könnt. Bitte zögert nicht, uns hier für weitere Informationen und Preisdetails zu kontaktieren.

2.3 Wie kommt man zur Sagrada Familia?

Die Sagrada Familia ist leicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen und von vielen Punkten in der Stadt ist sie von Weitem zu sehen, denn die Türme überragen die Stadt.

U-Bahn (Metro):

Die U-Bahn fährt direkt zur Sagrada Familia. Die blaue U-Bahnlinie L5 und die lila U-Bahnlinie L2 halten hier. Dann müsst ihr nur aus der U-Bahnstation herauskommen und da steht die Sagrada Familia vor euch!

Die U-Bahnlinie L5 fährt an den Gaudí-Häusern in Passeig de Gracia vorbei und die U-Bahnlinie L2 fährt an der Altstadt vorbei.

Busse:

z.B. Nr. 19, D50, 33, 34, V19, V21, B24, H10

Es gibt verschiedene Anfahrtsmöglichkeiten. Wir empfehlen euch, mit Google Maps nach den besten Verbindungsmöglichkeiten zu suchen.

Auto & Parken:

Die Sagrada Familia verfügt über keine eigenen Parkmöglichkeiten. Wenn ihr mit dem Auto anreisen möchtet, müsst ihr dieses in einem Parkhaus parken. Es gibt mehrere in der Umgebung von der Sagrada Familia und die Parkpreise sind recht unterschiedlich.  

Hop-On-Hop-Off-Bus: 

Sowohl der Bus Turístic als auch der Barcelona City Tour Bus halten an der Sagrada Familia.

Fahrrad:

Vom Zentrum aus könnt ihr auch bequem zur Sagrada Familia mit dem Fahrrad fahren. Es dauert ungefähr 20-25 Minuten. Verschiedene Fahrradabstellmöglichkeiten findet ihr rund um die Kirche. Ein Radweg verläuft sowohl entlang der Carrer de Provença als auch entlang der Carrer Sardenya.

Zu Fuß

Vom Zentrum aus könnt ihr zur Sagrada Familia ebenfalls laufen. Vom Plaça Catalunya seid ihr, je nach Tempo, ungefähr eine halbe Stunde unterwegs. Der Weg dorthin ist schön – entlang des interessanten Passeig de Gràcia mit den berühmten Häusern von Gaudí – Casa Batlló und La Pedrera. Dann lauft ihr weiter entlang der Straße Diagonal, wo ihr die bekannte Casa de les Punxes sehen könnt.

2.4 Regeln, Tipps und Tricks

Das Wahrzeichen Barcelonas ist bei fast allen Reiseführern auf der Titelseite. Sobald ihr in Barcelona seid, ist die Sagrada Familia allgegenwärtig – ob auf den Postkarten, in den Souvenirshops oder eben in der Realität.

Wenn ihr Barcelona besucht und die Sagrada Familia nicht seht, ist das wie ein Besuch in Paris, ohne sich den Eiffelturm anzuschauen. Es ist eigentlich ein Muss, die Sagrada Familia zumindest von außen zu besichtigen. Wenn ihr allerdings über mehr Zeit verfügt und sich bezaubern lassen möchtet, dann empfehlen wir euch auf jeden Fall auch den Innenbesuch der Basilika. Es ist ein spektakuläres Erlebnis! Ihr werdet ungefähr eine bis eineinhalb Stunden für das Innere der Kirche benötigen und wenn ihr einen der Türme besuchen möchtet, werdet ihr ungefähr zwei Stunden brauchen.

Der Zutritt ist nur mit einem gültigen Ticket erlaubt. Besorgt euch die Tickets im Voraus, denn spontane Besuche sind heutzutage kaum mehr möglich, dafür ist die Kirche zu begehrt. 

Berücksichtigt bitte folgende Regeln beim Besuch der Sagrada Familia:

  • Am Eingang in die Kirche werden eure Taschen, Rucksäcke und andere Gepäcke untersucht.
  • Beachtet bitte, dass die Kirche in erster Linie ein katholisches Gotteshaus ist. Geschrei oder Rennen sind daher nicht erlaubt.
  • Kleiderordnung: Da es sich um eine katholische Kirche handelt, muss eure Kleidung auch dem katholischen Glauben entsprechen. Die Kleidung darf nicht durchsichtig sein. Die Schultern müssen bedeckt werden. Shorts und Röcke müssen mindestens bis zu den Knien reichen. Bauchfreie Shirts, tiefe Ausschnitte (auch am Rücken) sind nicht zugelassen. Kopfbedeckungen, Hüte und Mützen sind nicht gestattet, mit Ausnahme von Kopfbedeckungen, die aus gesundheitlichen oder religiösen Gründen getragen werden. Ebenfalls ist es nicht gestattet, Kleidung zu tragen, die Aufmerksamkeit erregt, wie zum Beispiel eine Kleidung, die zur Feier bestimmter religiöser oder nicht religiöser Festlichkeiten bestimmt ist. Stellt sicher, dass ihr eine passende Kleidung dabei habt, da vor Ort keine Kleidung verkauft oder verteilt wird, um sich zu bedecken.
  • Während einer Messe wird der nötige Respekt gebeten: keine Fotos, nicht durch die Kirche wandern und nicht laut reden u.a.
  • Fotografieren ist außer während einer Messe erlaubt. Fotostative oder eine Profi-Fotoausrüstung sind allerdings ausdrücklich untersagt. 

Wann sollte man die Sagrada Familia besuchen?

Die Empfehlung zur besten Reisezeit hängt immer davon ab, was ihr von eurem Besuch erwartet. Falls ihr den Horden von Touristen entgehen möchtet, empfehlen wir euch eine Reise außerhalb der Ferienzeit.

Das schönste Sonnenlicht im Inneren der Kirche ist von der Tageszeit und vom Wetter abhängig. Am Morgen sind die Farben in der Kirche generell kühler, denn die farbigen Glasfenster sind an der Ostseite blau und grün. Am Nachmittag sind die Farben viel wärmer – die Glasfenster an der Westseite sind gelb und orange. Die Basilika ist übrigens auch nachts wunderschön, denn sie ist beleuchtet und ergibt ein romantisches Bild.

Sagrada Familia im Frühjahr

Der Frühling ist eine wunderbare Zeit, um nach Barcelona zu reisen. In dieser Zeit gibt es weniger Touristen (außer zu Ostern). Es ist jedoch ratsam, sich ein Ticket für die Sagrada Familia auch in der Nebensaison online zu sichern.

Sagrada Familia im Sommer

Die Sagrada Familia ist in den Sommermonaten 2 Stunden länger geöffnet. Doch beachtet, dass die meisten Touristen im Sommer kommen, und damit diese die am meisten überfüllten Monate sind, wenn man vor Ort an verfügbare Tickets kaum noch kommt. Deshalb ist es sinnvoll, ein Ticket im Voraus zu kaufen.

Sagrada Familia im Herbst

Die Herbstmonate sind eine gute Zeit, um Barcelona zu besuchen. Die Durchschnittstemperatur liegt zwischen 15 ° C und 20 ° C. Die perfekte Temperatur, um die Sagrada Familia und andere Sehenswürdigkeiten zu besuchen.

Sagrada Familia im Winter

Es ist ein großer Vorteil, dass es im Winter meist weniger los ist. Nach einem Besuch in der Sagrada Familia könnt ihr direkt zum Weihnachtsmarkt Fira de Nadal laufen.

Besucht die Sagrada Familia kostenlos

Gaudís Meisterwerk von außen zu bewundern, kostet nichts, doch das Innere ist zahlungspflichtig (später in diesem Artikel auch erklärt warum). Es gibt jedoch die Möglichkeit, diese Top-Sehenswürdigkeit kostenlos zu besuchen. Wir erklären euch wie:

  • Während und nach der internationalen Messe am Sonntagmorgen und Samstagabend.
  • Rund um die Stadtfeste zu Ehren von La Mercè, die um den 24. September herum stattfinden, bietet die Sagrada Familia in der Regel einige Tage kostenfreie Eintrittskarten an.
  • Der kostenlose Zugang zur Sagrada Familia ist auch mit dem Barcelona City Pass inbegriffen.

Unsere persönlichen Tipps:

«  Nehmt euch genug Zeit für den Besuch.

«  Kommt pünktlich.

«  Informiert euch auf der Website immer über die aktuellen Öffnungszeiten, damit ihr keine bösen Überraschungen erlebt.

«  Wenn ihr die Türme der Sagrada Familia besichtigt, müsst ihr euren Rucksack in einem Schließfach in der Kirche aufbewahren. Dafür benötigt ihr Münzen. Vergewissert euch also, dass ihr einige lose Münzen in eurer Tasche habt.

«  Besondere Highlights sind die grandiosen Konzerte, die zu Ostern und zu Weihnachten in der Kirche stattfinden.

«  Wenn ihr ein schönes Bild von der Sagrada Familia haben möchtet, könnt ihr dieses aus jeweils beiden Parks, die Sagrada Familia umgeben, machen. Von beiden Parks habt ihr die schönsten Blicke auf die Basilika.

«  Einen wunderschönen Blick auf die Sagrada Familia könnt ihr auch von der Terrasse des Hotels Ayre Roselló genießen.

«  In der unmittelbaren Nähe der Sagrada Familia (etwa 10 Minuten Gehweg) gibt es das ehemalige Krankenhaus Sant Pau Recinte Modernista, das ihr mit dem Besuch der Sagrada Familia kombinieren könnt.

3.  Während eures Besuchs

3.1 Was könnt ihr während eures Besuchs in der Sagrada Familia alles sehen?

Der Bau ist beeindruckend – sowohl wegen seiner Größe als auch wegen seiner ungewöhnlichen Architektur. Es besteht aus 5 Haupt- und 3 Querschiffe, die ein lateinisches Kreuz formen. Das fünfschiffige Haus hat eine Länge von 90 Metern und das dreischiffige von 60 Metern. Gekrönt wird dieses Kreuz durch eine halbkreisförmige Apsis, die aus 7 Kapellen besteht. Die Kirche wird fast vollständig von einem Kreuzgang umgeben.

Wenn ihr über keine Tickets für die Sagrada Familia verfügt, könnt ihr zumindest die Fassaden und die Umgebung der Kirche besichtigen. Zu beiden Seiten des Bauwerks befinden sich Grünflächen (Parks), von denen ihr einen tollen Blick auf die Basilika bekommt. Man kann von hier die drei Fassaden und die bereits gebauten Türme gut betrachten.

Fassaden

Jede der drei Fassaden symbolisiert jeweils ein entscheidendes Ereignis aus dem Leben von Jesus Christus: die Geburt, den Leidensweg und die Seligkeit Christi. Sie erhalten viele biblische Szenen, die ihr von außen bewundern könnt. Wenn ihr jedoch eine Eintrittskarte habt, werdet ihr mehr Details sehen können.

Die Geburtsfassade (Façana del Naixement)

Diese Fassade befindet sich in der Carrer de la Marina und dient zurzeit als Eingang. Die Fassade erkennt man sofort, denn sie ist viel dunkler als der Rest der Kirche und üppig verziert. Sie ist nach Osten ausgerichtet (bzw. um ganz genau zu sein – nach Nordosten) und die Morgensonne taucht in wunderschönes sanftes Licht. 

Die Geburtsfassade, oft auch Weihnachtsfassade genannt, besteht aus drei großen Portalen und jedes davon symbolisiert eine theologische Tugend und wird einem Mitglied der Heiligen Familie zugeordnet:

  •      das Portal links symbolisiert die Hoffnung und ist Josef gewidmet
  •      das Portal in der Mitte symbolisiert die Gnade und ist Jesus gewidmet
  •      das Portal rechts symbolisiert den Glauben und ist Maria gewidmet

Außerdem ist diese Fassade von vier Glockentürmen eingefasst und jeder Turm wird jeweils einem der zwölf Aposteln zugeordnet: Matthäus, Barnabas, Thaddäus und Simon Petrus.  

Die Geburtsfassade wurde als erste Fassade errichtet, zwischen 1894 und 1930, und ist die einzige Fassade der Kirche, die zu Gaudís Lebzeiten im Wesentlichen fertiggestellt wurde. Sie zeigt den klassischen Stil des katalanischen Architekten – den Modernismus – und zählt seit 2005 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Wie der Name der Fassade bereits verrät, werden hier die Geburt Jesu Christi, seine Kindheit und Jugend durch die vielen Skulpturen und Verzierungen dargestellt und als Symbol des Lebens und der Schöpfung betrachtet.

Darüber hinaus spielt hier auch die Natur, wie bei anderen Werken von Gaudí, eine große Rolle. Man sieht hier eine Menge von Tieren und Pflanzen, die sich zu einem symbolischen Baum des Lebens vereinen.

Der Nachfolger von Gaudí, der an dieser Fassade seit den 1970er arbeitet und sie ergänzt und renoviert, ist der japanische Bildhauer Etsuro Sotoo.

Passionsfassade (Façana de la Passió)

Diese Fassade befindet sich in der Carrer de Sardenya. Hier findet man den Ticketschalter, um Eintrittskarten kaufen zu können (falls noch welche verfügbar sind). Die Passionsfassade ist nach Westen ausgerichtet (Südwesten, um genau zu sein) und die Nachmittags- und Abendsonne verleiht dieser Seite mit Licht und Schatten eine starke Ausdruckskraft. 

Die Passionsfassade ist ebenfalls von vier Glockentürmen überragt und auch hier wird jeder der Türme einem Apostel gewidmet: Thomas, Philippus, Bartholomäus und Jacobus dem Jüngeren

Der Name dieser Fassade trägt eine symbolische Bedeutung. Es geht um die Passion Jesus, um seinen Leidensweg, seinen Tod am Kreuz und seine Wiederauferstehung.

Dies war die zweite Fassade, die noch nach Originalzeichnungen von Gaudí gestaltet wurde. Mit ihrem Bau wurde im Jahr 1954 begonnen und die wesentlichen Arbeiten im Jahre 1976 abgeschlossen. Die Form dieser Fassade ist stark dem Expressionismus angelehnt. Im Vergleich zur Geburtsfassade ist die Gestaltung recht nüchtern, schmucklos und streng wirkend. Es fehlen hier jegliche Ornamente und Elemente der Lebensfreude. Die Fassade vermittelt das Gefühl der Traurigkeit, des Schmerzes und des irreversiblen Verlustes durch den Tod von Jesus.

Der Stil dieser Fassade unterscheidet sich stark von dem Stil, den Gaudí für die Geburtsfassade verwendete. Die Skulpturen auf der Passionsfassade sind das Werk des Architekten Josep María Subirachs, der sich durch seine kantigen geometrischen Formen der Figuren von Gaudís organischem, abgerundetem Still bewusst abgehoben hat. Für manche Kritiker ist der moderne Stil Subirachs unvereinbar mit dem Geist der Arbeiten von Gaudí. Doch andere sind der Meinung, dass genau das die Sagrada Familia so einzigartig macht.

Glorienfassade oder Fassade der Herrlichkeit (Façana de la Glòria)

Diese dem Meer zugewandte Fassade befindet sich in der Carrer de Mallorca. Zurzeit ist sie jedoch noch eine kahle Wand. Gaudís Plänen zufolge müssten für die Fertigstellung dieser Fassade einige Häuserblöcke entfernt werden. Dies wird natürlich signifikante Konsequenzen für die Nachbarschaft und die Anwohner haben.

Die Glorienfassade wird einmal die wichtigste Fassade der Sagrada Familia sein, wo sich auch der Haupteingang eines Tages befinden wird. Diese Fassade wird der himmlischen Herrlichkeit Jesu gewidmet und stellt den Aufstieg in die göttliche Welt dar: den Tod, das Jüngste Gericht, die Hölle und die Herrlichkeit.

Gaudí wusste, dass er den Bau dieser Fassade nicht mehr erlebte, er entwarf jedoch ein paar Modelle für die Fassade, mit denen er alle wichtigen Symbole festgelegt hatte.

Sagrada Familia Innen

Die Sagrada Familia ist bereits von außen ein einzigartiges Kunstwerk, doch im Inneren wird die Grandiosität der Sagrada Familia noch deutlicher.

Der Innenraum der Kirche ist weitgehend fertig. Am 7.11. 2010 wurde sie von Papst Benedikt XVI geweiht und zugleich zu einer Basilica Minor erhoben (Vorsicht: Sagrada Familia wird fälschlicherweise Kathedrale genannt. Barcelonas Kathedrale befindet sich allerdings im Gotischen Viertel!).

Das Innere der Kirche ist 45 bis 60 Meter hoch. Und was man hier sieht, ist außerhalb jeder Norm. Man findet hier keine typischen Säulen. Die Säulen in der Sagrada Familia erinnern eher an Bäume. Sie sind geneigt und verzweigen sich bis zur Decke. Auf diese Weise wird das Gewicht direkt in den Boden geleitet, ohne Strebebögen und ohne tragende Fassade haben zu müssen. Die vier Säulen in der Mitte sind am stärksten, denn diese Säulen müssen zukünftig das Gewicht der fünf Türme auf dem Dach tragen.

Außerdem hat das Farb- und Lichtspiel im Inneren der Kirche eine hypnotische Wirkung. Das Licht strömt durch das Gewölbe und durch die großen Buntglasfenster hinein. Am spektakulärsten ist es an sonnigen Tagen.

Das Ergebnis der verzweigten Säulen zusammen mit dem Farblicht ist überwältigend und man fühlt sich hier wie in einem Wald.

Am Ende des Hauptschiffs, an der Seite der Glorienfassade, befindet sich eine fünf Meter hohe Bronzetür, die eines Tages zum Haupteingang wird. Die Tür war nur einmal geöffnet, und zwar 2010 während der Kirchweihe. Auf der Tür kann man das Vaterunser auf Katalanisch und in vielen anderen Sprachen (auch auf Deutsch) nachlesen.

Sagrada Familia Museum

Unterhalb der Basilika befindet sich das Museum der Sagrada Familia, was ihr euch keinesfalls entgehen lassen solltet. Hier erfahrt ihr anhand alter Bilder, Dokumente und Modelle alles über die Entstehung und den Baufortschritt der Basilika und die Ideen von Gaudí. Der Besuch des Museums ist in eurer Eintrittskarte enthalten.

Krypta

Die Krypta befindet sich ebenfalls unterhalb der Basilika. Gaudí lebte hier in seinen letzten Lebensjahren. Er hatte hier seine Werkstatt und sein Bett.

Der Boden der Krypta ist von einem römischen Mosaik mit Abbildungen von Weizen und Reben bedeckt. Es ist ein Rundbau mit drei Hauptkapellen und vier kleineren Einzelkapellen. In einer von ihnen, der Kapelle der Heiligen Jungfrau vom Karmel (Verge del Carme) liegt Gaudi begraben. In einer anderen Kapelle ist auch Josep Maria Bocabella, der „Vater“ der Sagrada Familia, begraben. Mehr dazu könnt ihr im Abschnitt 5 (Geschichte) lesen.

Ihr könnt die Krypta während eures Besuchs in der Sagrada Familia nicht besichtigen, doch ihr könnt sie während der regelmäßig abgehaltenen Gottesdiensten besuchen. Der Eintritt ist frei.

Die Krypta zählt wie die Geburtsfassade zu dem UNESCO-Weltkulturerbe.

Türme

Insgesamt wird die Kirche über 18 Türme verfügen: 12 davon werden den Aposteln gewidmet, 4 Türme den Evangelisten und die verbleibenden 2 Türme Maria und Jesus Christus. Bis heute sind 11 der 18 Türme fertig (8 Aposteltürme, 2 Evangelistentürmen und der Mariaturm), an 3 Turmen (dem Jesuturm und den fehlenden Evangelistentürmen) wird gearbeitet und die übrigen 4 (die Aposteltürme) werden erst in den kommenden Jahren gebaut.

Der niedrigste Turm ist etwa 90 Meter hoch (die Aposteltürme). Der höchste Turm wird 172,5 Meter über der Stadt ragen (der Jesusturm). Als der höchste Turm beendet wird, wird die Sagrada Familia zum höchsten religiösen Gebäude in ganz Europa werden und zum höchsten Kirchturm der Welt (im Moment befindet sich der höchste Kirchturm in Ulm). Es wird auch das höchste Gebäude in Barcelona sein. Allerdings wird der höchste Turm der Sagrada Familia absichtlich nicht den Hausberg Montjuïc mit seinen 173 Metern überragen. Denn Gaudí zufolge soll das Werk Gottes (die Natur) größer bleiben als das Werk des Menschen (das Bauwerk).

Während eures Besuchs in der Sagrada Familia könnt ihr auch einen der fertigen Türme besichtigen. Bitte beachtet, dass ihr nur mit dem Lift hochfahren könnt. Der Abstieg erfolgt über eine Wendeltreppe. Dies ist ein interessantes Erlebnis wegen des schönen Anblicks. Um die Türme besichtigen zu dürfen, braucht man dafür ein Ticket. Stellt sicher, dass ihr die Türme mitbucht, wenn ihr eure Tickets reserviert. Die einzige Option ist ein Kombiticket mit Grundeintritt + Audioguide + Turm.

Welche Türme empfehlen wir zu besuchen?

Ihr könnt zwischen den Türmen an der Geburtsfassade und den Türmen an der Passionsfassade wählen. Im ersten Fall blickt ihr in Richtung Osten der Stadt und im letzteren Fall in Richtung Zentrum. Die Türme auf der Passionsfassade sind etwas höher. Die Geburtsfassade dagegen hat eine längere Brücke. Wir denken, dass beide Seiten sich lohnen, denn in beiden Richtungen werdet ihr einen überwältigenden Panoramablick über Barcelona genießen können. Leider aber ist es nicht möglich, an beiden Seiten die Türme mit demselben Ticket zu besuchen.

Aus Sicherheitsgründen ist es Kindern unter 6 Jahren nicht gestattet, die Türme zu betreten und Kinder bis 16 Jahre müssen von einem Erwachsenen begleitet werden. Aus Sicherheitsgründen können Personen mit eingeschränkter Mobilität oder eingeschränkter Sicht die Türme nicht besuchen.

Wenn die Wetterbedingungen durch starken Wind und / oder Regen ungünstig sind, sind die Aufzüge, die den Zugang zu den Türmen ermöglichen, geschlossen. In solchem Fall erhält ihr euer Geld zurück.

Die Schulen der Sagrada Familia

Gaudí ließ in den Jahren 1908-1909 an dem Kirchengelände eine Schule errichten. Direkt an der Baustelle wurden Kinder von Bauarbeitern, die an der Kirche arbeiteten, unterrichtet. Laut Gaudí sollte das Schulgebäude abgerissen werden, wenn der Platz gebraucht werden sollte. Während des Bürgerkriegs wurde die Schule teilweise zerstört, doch nach dem Krieg wurde sie restauriert.

Die welligen Formen, die man am Dach des Schulgebäudes sieht, haben später namhafte Architekten wie Santiago Calatrava und Le Corbusier in ihren Arbeiten verwendet. Interessanterweise war Le Corbusier von der Form und den einfachen Linien und Kurven des Schulgebäudes begeistert, doch von der Sagrada Familia selbst war er entsetzt.

Mit eurer Eintrittskarte könnt ihr die Schule auch besichtigen.

Souvenirladen der Sagrada Familia

Sucht ihr ein Souvenir oder ein Geschenk? Es gibt auch ein Souvenirgeschäft an der Sagrada Familia. Beziehungsweise, ihr findet dort sogar zwei Souvenirläden. Der erste befindet sich hinter dem Aufzug der Passionsfassade und der zweite am Eingang an der Seite der Geburtsfassade in der Carrer de la Marina. Letzteres ist auch für Personen ohne Eintrittskarte zugänglich. Hier findet ihr auch die größte Auswahl an verschiedenen Artikeln, die mit Gaudí zu tun haben.

3.2 Teilnahme an einer Messe in der Sagrada Familia

Religiöse und Interessierte, die an einer Eucharistiefeier in der Sagrada Familia teilnehmen möchten, haben dazu verschiedene Möglichkeiten. Die heiligen Messen finden entweder in der Krypta unter der Kirche oder am großen Altar in der Basilika statt.

In der Krypta:

Mo-Sa: um 9 Uhr (Spanisch) und um 20:00 Uhr (Katalanisch)

Sonntags: 10:30 Uhr, 13 Uhr, 18:30 Uhr (Katalanisch) und 11:45 Uhr und 20:00 Uhr (Spanisch)

In der Basilika:

Sonntags um 9 Uhr morgens finden an dem großen Altar in der Sagrada Familia besondere internationale Eucharistiefeiern statt. Ihr könnt an diesem Service kostenlos teilnehmen. Dieser wird teilweise auch auf Französisch, Englisch und Italienisch abgehalten. Ein nettes Extra ist, dass ihr nach dem Gottesdienst die Sagrada Familia kostenlos besichtigen könnt.

Es gibt 700 Sitzplätze und 2000 Stehplätze für die internationale Messe. Seid pünktlich, denn wenn es voll ist, kommt man nicht mehr rein. Je früher ihr da seid, desto größer die Chance auf einen guten Platz.

Die Messe dauert ungefähr eine Stunde und während der Messe wird von euch erwartet, dass ihr euch respektvoll verhält. Berücksichtigt eure Kleiderwahl und macht während der Messe keine Fotos.

4.  Nach eurem Besuch

Besucht die Sagrada Familia und den Park Güell an einem Tag

Wenn ihr nur ein paar Tage in Barcelona seid, möchtet ihr natürlich so viel wie möglich sehen. Die Sagrada Familia und der Park Güell des Architekten Antoni Gaudí stehen oft ganz oben auf der Wunschliste, besonders wenn ihr zum ersten Mal in Barcelona seid. Was ist die beste Art und Weise, beide Monumente am selben Tag zu besuchen? Hier folgen unsere Tipps!

Wie kommt man von der Sagrada Familia zum Park Güell?

Es ist durchaus möglich, die zwei wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Barcelona, die Sagrada Familia und den Park Güell, an einem Tag zu besuchen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie man von einem Monument zum anderen kommt: zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit Taxi oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Was ihr wissen sollt: Der Höhenunterschied zwischen dem Park Güell und der Sagrada Familia ist beachtlich. Der Park Güell ist viel weiter bergauf als die Sagrada Familia. Beim Radfahren oder Laufen muss man einen steilen Auf- oder Abstieg berücksichtigen.

Schaut euch die bequemsten Routen von der Sagrada Familia zum Park Güell:

Zu Fuß

Wenn ihr zwischen den Besuchen der beiden Monumente genügend Zeit habt, könnt ihr durch das schöne Viertel Gràcia spazieren und dort zu Mittag essen oder einen Kaffee bzw. ein Wermut trinken. Wir empfehlen euch, eure Pause an einem der schönen Plätze von Gràcia zu machen: entweder am Plaça de Rovira i Trias oder am Plaça de la Virreina.

Mit dem FahrraD

Bitte beachtet, dass es zwischen den beiden Orten keinen durchgehenden Fahrradweg gibt. Ebenfalls berücksichtigt man den Höhenunterschied von etwa 120 m zwischen den beiden Sehenswürdigkeiten.

Mit dem bus

Nehmt den Bus Nr. 92 in Richtung “Barri de Gràcia” von der Haltestelle ‘Sant Antoni Maria Claret – Lepant’ (zu Fuß von der Sagrada Familia in etwa 10 Minuten erreichbar). Steigt an der ‘Carretera del Carmel – Parc Güell’ aus.

Mit gültigem Eintrittsticket für Park Güell, könnt ihr ebenfalls den “Bus Güell” nehmen, der euch von Alfons X Metrostation (Laufweg von der Sagrada Familia etwa 15 Minuten) kostenlos bis zum Park Güell bringt.

Mit der metro

Steigt in die blaue Linie L5 von der Haltestelle Sagrada Familia in Richtung Vall d’Hebron. Steigt an der Haltestelle ‘El Coll – La Teixonera’ aus. Von dort sind es 15 Minuten zu Fuß bis zum Park Güell. Die gute Nachricht dabei ist, dass der Höhenunterschied die U-Bahn gemacht hat und ihr müsst nun fast gar nicht mehr bergauf laufen. Außerdem werdet ihr schöne Aussichtspunkte auf dem Weg von der Metro zum Park genießen können!

Mit dem Hop-On-Hop-Off-Bus

Die blaue Route des Hop-On-Hop-Off-Busses fährt zwischen der Sagrada Familia und dem Park Güell in beiden Richtungen. Es dauert ungefähr 20-30 Minuten.

Mit dem taxi

An der Sagrada Familia gibt es immer viele Taxis, die euch in 10 bis 20 Minuten zum Park Güell bringen (je nach Verkehr). Im Vergleich zu den Taxipreisen in Deutschland sind Taxis in Barcelona extrem günstig.

! Tipp: Plant bei der Buchung eures Tickets genügend Zeit zwischen den beiden Sehenswürdigkeiten ein, damit ihr euch nicht unnötig stressen müsst.

5.  Antoni Gaudí und die Geschichte der Sagrada Familia

Die Baugeschichte der Sagrada Familia, die ursprünglich als eine deutlich kleinere Kirche geplant wurde, als die, zu der sie gewachsen ist, ist außerordentlich interessant und begann vor mehr als 150 Jahren.

Zeitachse

1860er entstand die Idee zum Bau der Kirche nach einer Reise des frommen katalanischen Buchhändlers und Verlegers religiöser Schriften Josep Bocabella nach Italien. Er ist beeindruckt von den italienischen Gotteshäusern – insbesondere von der Basilika zum Heiligen Haus in Loreto. Er beschließt, eine Replik dieser Kirche in Barcelona bauen zu lassen und sie der Heiligen Familie (= Sagrada Familia) zu widmen.  Um seine Idee umzusetzen, gründete er den Verein der Gläubigen des Heiligen Josef (Asociación de Devotos de San José) mit dem Ziel, Spenden für den Bau der Kirche zu sammeln. 

1881 kaufte der Verein der Gläubigen des Heiligen Josef ein Grundstück im damals noch fast unbebauten Eixample Stadtteil. Das Grundstück kostete damals 172.000 Peseten (heute ca. 1000 Euro). Ein Baugrund näher zur Stadtmitte hin war aufgrund der schon damals so hohen Grundstückspreise nicht möglich. Das Projekt wird dem bekannten Architekten der Diözese Francisco de Paula del Villar y Lozano übergeben, der sogar bereit ist, ohne Gehalt einen Plan für dieses Gotteshaus zu entwerfen. Er entwirft entsprechend der aktuellen Mode eine neugotische Kirche, womit er Bocabellas Plan, eine Replik der lauretanischen Basilika zu bauen, verwirft.

1882 wurde der Grundstein der Sagrada Familia von Francesc de Paula del Villar gelegt. Es erfolgte am 19. März, dem Tag des Josefs (Vatertag in Spanien). Bei der Grundsteinlegung  war Gaudí anwesend, da er zu diesem Zeitpunkt im Büro des Architekten Joan Matorell arbeitet, welcher bei dem Projekt als Prüfer fungierte. Zu dem Zeitpunkt konnte man sich noch kaum vorstellen, dass dieser junge, noch völlig unbekannte Mann letztendlich zum Architekten dieses Bauwerkes wird.

Die Bauarbeiten an der Kirche begannen mit dem Bau der Krypta.

1883 Nach einem Jahr verließ der Architekt Francisco del Villar y Lozano das Projekt aufgrund grundlegender Uneinigkeiten mit Bocabella und Martorell. Es muss ein Nachfolger gefunden werden. Matorell schlägt als solchen seinen jungen Mitarbeiter Antoni Gaudí vor und somit wird der damals 31-jährige Gaudí zum Architekten ernannt. Zu der Zeit glaubte Gaudí, er brauchte nur ein paar Jahre, um das Projekt abzuschließen.

1893 erhält Gaudí eine anonyme Spende in sehr großzügiger Höhe und beginnt das ursprüngliche neogotische Projekt zu ändern und eine monumentale und innovative Struktur zu gestalten (nach der heute noch gebaut wird).

1910 Gaudí akzeptiert ab diesem Moment keine weiteren Aufträge und arbeitet Tag und Nacht ausschließlich an der Sagrada Familia und übernachtet dort auch öfter. 

1925 Gaudí war besorgt über den Baufortschritt, so dass er sogar in die Werkstatt der Baustelle einzog. Doch das Tempo der Bauarbeiten ist vom Spendenfluss abhängig.

1926 ein paar Tage vor seinem 74. Lebensjahr kam Antoni Gaudí bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Er wurde von einer Straßenbahn überfahren. An dem Tag trug er keine beweisenden Dokumente mit sich, und durch seinen verwahrlosten Anblick nahmen Anwesende an, er sei ein Obdachloser. Dies hatte zur Folge, dass ihm zunächst keiner half. Drei Tage später starb er im Krankenhaus und so kam mit seinem Tod ein vorläufiges Ende seines Lebenswerkes. Zum Zeitpunkt seines Todes konnte er die Krypta, die Apsis und einer der Aposteltürme (Sant Bernabeu) der Geburtsfassade komplett fertig gebaut sehen. In den folgenden Jahren nach Gaudís Tod trieb die Arbeiten an der Sagrada Familia sein Assistent, der Architekt Domenech Sugranyes i Gras, weiter.

1936 zu Beginn des Spanischen Bürgerkriegs wurden bei einem Brand sämtliche Baupläne, Zeichnungen, Dokumente etc. vernichtet und Gipsmodelle schwer beschädigt. Die Gipsmodelle konnten später größtenteils wieder rekonstruiert werden. Lediglich bereits veröffentlichte oder sich im Privatbesitz befindliche Zeichnungen blieben erhalten. Heute gibt es weltweit nur noch etwa 30 Originalzeichnungen von Antoni Gaudí.

1940er werden die Bauarbeiten wieder aufgenommen. Doch wegen Geld- und Materialmangels gehen die Arbeiten nur langsam voran. Zeitweise arbeitet nur ein einziger Arbeiter auf der Baustelle.

1966 erschien in der Tageszeitung La Vanguardia ein offener Brief, in dem Architekten, Künstler und Intellektuelle gegen den Weiterbau der Sagrada Familia protestierten. Ihrer Meinung nach ist die Errichtung eines solch pompösen Sakralbaus nicht mehr zeitgemäß. Unterzeichner sind unter anderem: Joan Miró, Le Corbusier, Antoni Tápies, Oriol Bohigas, Josep Maria Subirachs und Walter Gropius.

1986 übernahm der katalanische Bildhauer Josep Maria Subirachs die Dekoration der Passionsfassade. Die Verpflichtung von Subirachs rief heftige Kritik hervor, denn er war Mitunterzeichner des 1966 erschienenen Protestbriefes und viele nahmen ihm den Sinneswandel übel. Außerdem ist er ein moderner, für seine abstrakten Skulpturen bekannter Bildhauer und viele trauen ihm nicht zu, die Arbeit im Gaudís Sinne weiterzuführen. Als Atheisten halten ihn manche für ungeeignet zur Arbeit an einem Gotteshaus. Als die Dekoration der Passionsfassade schließlich fertiggestellt wurde, gab es wiederum eine kontroverse Debatte, denn einige finden seinen Stil zu modern und unpassend für die Sagrada Familia. Konservative Katholiken sind verärgert über die Darstellung eines komplett nackten Jesus in der Kreuzigungsszene. Gegen diese gibt es sogar eine Zeitlang regelmäßige Demonstrationen vor der Sagrada Familia.

2008 wurde ein neues Grundstück, das der Fläche von elf Fußballfeldern entspricht, erworben. Das Gelände an der Sagrada Familia selbst bot nur wenig Platz zum Arbeiten und das Bewegen von riesigen Betonmengen war fast unmöglich. Das neue Grundstück befindet sich etwa 90 km von Barcelona und die Basilika nimmt in Wirklichkeit dort Gestalt an. Vorgefertigte Strukturen werden dann nach Barcelona geliefert und dort wie ein Lego zusammengebaut. Eine Arbeitstechnik, die auch für Wolkenkratzer verwendet wird und die den Bau der Kirche beschleunigt.

2010 wurde der Innenraum der Sagrada Familia fertiggestellt und das Gotteshaus in einer Zeremonie von Papst Benedikt XVI. zur Basilica Minor geweiht. Zehntausende Menschen nahmen teil.

2012 wurde Jordi Faulí i Oller zum jetzigen Hauptarchitekten (mittlerweile der 9. Hauptarchitekt seit dem Baubeginn).

2013 wurde ein Eisenbahntunnel eröffnet, in welchem der Schnellzug (AVE) zwischen Madrid und der französischen Grenze verkehrt. Dieser Tunnel verläuft unter der Carrer Mallorca, direkt unter der geplanten Glorienfassade. Im Vorfeld gab es viele Meinungsverschiedenheiten. Architekten und Geologen fürchten aufgrund der Erschütterungen, der geringen Tiefe des Tunnels (etwa 30 Meter) und des Gewichtes der Sagrada Familia um die Sicherheit des Bauwerks.

2018 wurde der Sagrada Familia nach 137 Jahren eine Baugenehmigung erteilt (die Kirche wurde bis dahin ohne Lizenz gebaut).

2026 der 100. Todestag von Gaudí, und wir sind voller Erwartung darauf, welchen Fortschritt die Fertigstellung des markanten Bauwerks von Barcelona bis dahin wohl gemacht haben wird! 

Warum dauert der Bau der Sagrada Familia so lange?

Wer einen genaueren Blick auf die zahlreichen feinen Verschnörkelungen und kunstvollen Verzierungen auf den Fassaden und Türmen wirft, wird ihm deutlich klar, warum es mit dem Bau nur so langsam vorangeht. Dass der Bau noch nicht abgeschlossen ist, liegt zum Teil an der enormen Komplexität des Projekts. Gaudís Ideen gingen über alle Dimensionen hinaus. Wegen seiner gewissenhaften Arbeitsweise ging der Bau eher langsam voran. So hat er beispielsweise das Design der Türme mehrfach angepasst. Er nahm sich auch viel Zeit, die Geburtsfassade sorgfältig zu entwerfen. Seiner Leidenschaft für Dekoration waren keine Grenzen gesetzt. Bibelkenner werden hier viele biblische Szenen entdecken, aber auch viele Tierarten und andere aus der Natur inspirierte Formen.

Die Finanzierung erwies sich jedoch jahrelang als das größte Problem bei den Bauarbeiten. Die Sagrada Familia sollte laut dem Schöpfer Bocabella nur mit Almosen finanziert werden. Es war keine leichte Aufgabe, genug Spenden für Gaudís Hauptwerk zu finden, und während des Ersten Weltkriegs sah der Architekt nur eine Lösung: Er ging persönlich von Tür zu Tür, um Geld zu sammeln. Der Bau wird übrigens bis heute aus Spenden und Eintrittsgeldern finanziert.

Auf die Frage, warum der Bau so lange dauert, sagte Gaudí: „Mein Auftraggeber hat keine Eile“ und blickte dabei zum Himmel.

Eintrittsgelder als Spende

Der Bauausschuss der Sagrada Familia hat in den 1980er eine Entscheidung getroffen, dass diejenigen, die sich eines der umstrittensten Meisterwerke der modernen Architektur ansehen möchten, einen Beitrag leisten. Somit wurde beschlossen, eine Eintrittsgebühr zu verlangen, und seitdem geht der Bau wesentlich zügiger voran.

Die Eintrittsgelder für den Besuch der Kirche und das Besteigen der Türme werden zu 100% für den Bau verwendet.

Täglich – außer sonntags – arbeiten rund 100 Bildhauer an Gaudís Tempel.

Wer war Antoni Gaudí?

Antoni Gaudí ist der berühmteste Architekt von Barcelona und der wichtigste Vertreter der katalanischen Moderne, d.h. der katalanischen Variante des Jugendstils.

Gaudí stammte aus Reus aus einfachen Verhältnissen. Sein Vater war ein Kesselschmied und Gaudí fühlte sich auch zum Handwerk hingezogen.

Gaudís Inspirationsquellen waren in erster Linie die Religion und die Natur. Beim Bauen richtete er sich ganz nach den Gesetzen der Natur. Dies spiegelt sich in fast allen Formen und Details seiner Bauwerke wider.

Die letzten 15 Jahre seines Lebens, nachdem er das Haus Casa Milà alias La Pedrera beendet hatte, arbeitete Gaudí ausschließlich an der Sagrada Familia. Inzwischen hat er sich von einem extravaganten jungen Mann zu einem schäbig gekleideten, von der Gesellschaft zurückgezogenen und begeisterten Katholiken gewandelt.

Die Sagrada Familia war sein Lebenswerk, an dem er insgesamt 43 Jahre arbeitete. Er steckte in der Sagrada Familia alle seine Kreativität, Erfahrung und Besessenheit. Er war sich bewusst, dass er das vollendete Gebäude nie sehen würde und deshalb schlug er vor, zunächst die fröhliche Geburtsfassade fertigzustellen. Damit sollten künftige Generationen inspiriert werden und die begonnene Arbeit fortzusetzen. Er hinterließ allerdings keinen kompletten Bauentwurf, denn er wollte nachfolgenden Generationen ein Mitspracherecht einräumen. Gaudí war davon überzeugt, dass Barcelona eines Tages für seine Kirche bekannt sein würde.

Ein bekanntes Zitat von Gaudí: „Mis grandes amigos están muertos; no tengo familia, ni clientes, ni fortuna, ni nada. Así puedo entregarme totalmente al Templo (Sagrada Familia).” Auf Deutsch heißt das: „Meine guten Freunde sind tot; ich habe keine Familie, keine Kunden, kein Vermögen, nichts. Auf diese Weise kann ich mich ganz dem Tempel hingeben (Tempel = die Sagrada Familia).”

Weitere bekannte Gaudí-Werke in Barcelona:

Park Güell, Casa Milà, Casa Batlló, Palau Güell, Casa Vicens, Finca Güell (Pavillons)

6. Bemerkenswerte Fakten und Zusätzliches zu lesen

Sagrada Familia in Zahlen:

  •  9.000 Menschen Kapazität
  •   4.500 m² Fläche
  •   172,5 m der höchste Turm
  •   Mehr als 4,5 Millionen Besucher pro Jahr
  •   Ein kreuzförmiger Grundriss von 90 x 45 m
  •   Das Hauptschiff ist 15 Meter breit, die Seitenschiffe 7,5 Meter
  •   Die Höhe des Hauptschiffes 45 Meter, der Seitenschiffe 30 Meter
  •   Das Querschiff ist 60 Meter lang und 30 Meter breit
  •   Chorkapazität von 1500 Sängern
  •   Orgel hat 1492 Pfeifen
  •   45 Millionen Euro jährlich stehen dem Bau zur Verfügung  
  •  Das magische Viereck mit 16 Zahlen (auf der Passionsfassade): die Quersumme der  Zahlen ergibt immer 33, egal in welcher Richtung. Die Zahl entspricht dem Alter Jesus, als er starb.

Wusstet ihr, dass…..?

  • Jeder Stein der Sagrada Familia ist von Hand angepasst worden, industriell vorgefertigte Steine können nicht verwendet werden.
  • Das Gesicht von Gaudí ist an der Sagrada Familia zweimal zu finden! Einmal an der Geburtsfassade, wo sein Gesicht eine Statue von Josef hat und das zweite Gesicht von Gaudí ist an der Passionsfassade zu sehen, der Herr, der links neben Veronica steht, die das Schweißtuch hält.
  • An der Geburtsfassade findet man eine große Zahl an versteckten Symbolen. Bei einigen Figuren, zum Beispiel, verwendete Gaudí die Gesichtsabdrücke von damaligen Bauarbeitern.
  • Es gibt kein Vorbild in der Architektur für das von Gaudi entwickelte Gewölbe- und Säulensystem. Sein einziges Vorbild war die Natur.
  • Der englische Sänger Ed Sheeran hat die Sagrada Familia an seinem Oberkörper tätowiert, als Zeichen seiner Liebe zu Barcelona.

Wenn ihr mehr über den Architekten der Sagrada Familia Antoni Gaudí und die katalanische Moderne erfahren möchtet, lest unseren ausführlichen Artikel über die Moderne (kommt bald).

Similar Posts